Erfahrungsbericht meines Praktikums

Ich habe diese Sommerferien an der Universität für Bodenkultur über die Organisation Generation Innovation bzw. der Forschungs Förderungsgesellschaft (FFG) ein technisch/naturwissenschaftliches Pflichtpraktikum absolviert. Hier schildere ich nun meine Eindrücke und Erfahrungen, die ich im Laufe dieser Zeit gesammelt habe.
Weitere Informationen zu diesen Organisationen – wie du zum Beispiel zu einem solchen Praktikum kommen kannst – findest du in diesem Artikel.


Die Organisation

Das Institut für Hydraulik und landeskulturelle Wasserwirtschaft, Departement für Wasser-Atmosphäre-Umwelt, der Universität für Bodenkultur Wien, befasst sich mit jenem Teil des Wasserkreislaufes, bei dem das Wasser mit dem Boden in Verbindung tritt. Es gilt, die vielfältigen Funktionen des Naturpotentials Wasser im Wechselspiel mit dem Boden optimal und zielbewusst zu nutzen, zu schützen und als Lebensgrundlage nachhaltig zu sichern.

Ich habe mich mit meinem Betreuer, Wolfgang Sokol, welchen ich über gemeinsame Bekannte meiner Eltern kennengelernt habe, von Anfang an sehr gut verstanden. An meinem ersten Arbeitstag erhielt ich von ihm eine spannende Führung durch den Gebäudekomplex. Während er mir in den verschiedenen Laboratorien den Verwendungszweck einiger Geräte näher brachte, stellte er mich dem Rest des Kollegiums vor. Diese wirkten ebenfalls sympathisch und nach dem ersten Fachgesimpel über die Vor- und Nachteile verschiedener Messmethoden beim alltäglichen „Guten Morgenkaffe“ in der Teeküche war mir bereits klar, dass hier ein sehr angenehmes Arbeitsklima herrscht. Bei Fragen, ganz gleich welcher Natur, konnte ich mich jederzeit an meinen Betreuer bzw. dessen Kollegen wenden und bekam immer eine kompetente und hilfreiche Antwort. Ich hatte also die Möglichkeit mir, neben praktikumsbezogenen Fragen, auch in Bezug auf private Probleme im technischen Bereich Rat einzuholen.


Das Projekt

Ziel des Projektes, dessen Grundlagen bereits während eines anderen Praktikums im vergangenen Jahr geschaffen worden waren, ist es, Wetterdaten aus der Lysimeterstation in Groß-Enzersdorf automatisch und in Echtzeit auf einer Website optisch ansprechend darzustellen. Zu diesen Messdaten gehören beispielsweise Lufttemperatur, Luftdruck, Niederschlagsmenge, Windgeschwindigkeit, Sonneneinstrahlung, Lysimetergewicht, Sickerwassermenge oder auch Verdunstung. Da diese Rohdaten sehr unübersichtlich und nur durch Kommata getrennt in langen Logfiles vorliegen, sind vor der eigentlichen grafischen online Aufbereitung einige Funktionen zum Aufbereiten der Daten notwendig gewesen, zum Beispiel fehlerhafte Zeilen (Aufgrund von Sensorstörungen oder Übertragungsproblemen) erkennen und ausfiltern.


Meine Aufgabenstellungen und Tätigkeiten im Praktikum

Meine Arbeit habe ich eigentlich – abgesehen von den bei „Zusatzaktivitäten“ beschriebenen Tätigkeiten – primär am Computer verrichtet. Hier die Hauptaufgaben kurz zusammengefasst:

Das Erstellen der Internetpräsenz
Mittels den Programmiersprachen HTML und CSS, sowie einigen Grafikprogrammen wie Photoshop, habe ich versucht eine optisch möglichst ansprechende Website zu erstellen. Großer Wert wurde dabei auf die Benutzerfreundlichkeit und die Kompatibilität gelegt (das bedeutet, dass die Homepage auf allen Computern mit verschiedenen Browserkonfigurationen oder Bildschirmen korrekt und einheitlich angezeigt wird). Ein weiterer Punkt, welcher mittels PHP realisiert wurde, war es, die Seite möglichst flexibel und leicht anpassbar zu gestalten. Damit ist nicht das für den Benutzer Sichtbare gemeint, sondern die gesamten Funktionen die im Hintergrund laufen. Durch zahlreiche Kommentare im Quelltext und übersichtliche Einrückungen und Variablendeklarationen habe ich versucht, meinen Nachfolgern den Aufbau und die Funktionsweise der Website möglichst verständlich zu machen, damit sie später daran gut anknüpfen können. Die MySQL Abläufe zum Einspielen der Messdaten in eine Datenbank, damit diese dann online dargstellt werden können, waren zwar schon vorhanden, jedoch konnte ich durch die Arbeit damit einiges dazulernen. ImageMagic und PHPlot waren notwendig, um die in Textform vorliegenden Daten in Diagrammen grafisch darzustellen.

Das Auswerten der Rohdaten
Wie bereits erwähnt, waren einige automatisierte Prozesse notwendig, um die Messdaten so aufzubereiten, dass sie schlussendlich auf einer Website sowohl textuell als auch grafisch dargestellt werden können. Dies habe ich auf Wunsch von Wolfgang mittels der Programmiersprache C# versucht umzusetzen. Da ich mich zuvor mit dieser Sprache noch nie beschäftigt habe, musste ich mir zuerst die Grundlagen mittels einiger Tutorials aneignen. Am Anfang der Praktikums erhielte ich und noch einige weitere Interessierte einen kleinen Crashkurs in C#. Da mein Betreuer neben seiner Tätigkeit an der Universität auch Informatiklehrer ist, war diese Einführung gut strukturiert, verständlich und kleine Erfolgserlebnisse kamen nicht zu kurz.

Generieren eines Zeitraffervideos
Aus den ca. 20 000 Einzelbildern einer Webcam, die über mehrere Jahre lang jede Minute ein Foto macht, soll ein kurzer Video zusammengeschnitten werden, in dem man die Entwicklung der Saat über den Zeitraum von einem Jahr mitverfolgen kann. Dazu musste zuerst in C# ein Filter programmiert werden, in dem man in einer grafischen Benutzeroberfläche die Zeitspanne (z.B von 11-14h) und den Intervall (z.B 5 Minuten) einstellen konnte. Nach dem Klick auf den Startknopf, sollte das Script alle Bilder herausfiltern, welche die angegebenen Kriterien erfüllen.

Neben dem Projekt habe ich ab und zu auch andere Arbeiten verrichten dürfen, je nach dem was eben gerade angefallen ist. Zum Beispiel:

  • Durch intelligente Formatierung und Partitionierung einer defekten externen Festplatte versuchen, diese wieder funktionstüchtig zu machen bzw. die darauf gespeicherten Daten auf einem anderen Medium zu sichern
  • Einen Computer mittels eines Images aufsetzen, an die Domain anhängen und die Druckerfreigabe konfigurieren.
  • Daten aus dem Speicherinterface des Loggers der Lysimeterstation in Groß-Enzersdorf zu sichern und den Vorgang fortsetzen
  • Messsensoren warten
  • Einen Serverausfall analysieren um die Ursache zu beseitigen und diesen so schnell wie möglich wieder betriebsbereit zu machen
  • Realisierungsmöglichkeiten eines Webshops und deren Vor- und Nachteile

Einmal durfte ich die von mir in den letzten drei Wochen erstelle Website im Rahmen einer Präsentation mittels Beamer den restlichen Involvierten vorstellen. Dank viel konstruktiver Kritik der Anwesenden wuchs unsere ToDo-Liste sogleich um einige Punkte an.


Ein typischer Arbeitstag

Ein typischer Arbeitstag während des Praktikums begann um 8:00 und endete um 16:30. Freitags durfte ich schon um halb drei Feierabend machen und ins Wochenende starten. Ich bekam gleich am ersten Tag einen Institutsschlüssel, mit dem ich jederzeit Zugang hatte bzw. mein „Büro“ absperren konnte. In der Früh traf man sich meist für ca. eine halbe Stunde in der Teeküche und plauderte neben Kaffe und einem kleinen Frühstück über alles Mögliche. Dabei bzw. danach sind wir die zu erledigenden Punkte oder derzeit bestehenden Problemstellen des Projekts durchgegangen. Die Länge unserer „ToDo-Liste“ variierte täglich stark, was wohl auf ein interessantes und vor allem komplexes Projekt zurückzuführen ist. Ich persönlich habe als sehr angenehm empfunden, dass ich mir stets selbst aussuchen konnte, mit welcher Aufgabenstellung ich mich zuerst befassen sollte. Je nach dem worauf ich gerade Lust hatte. Denn wenn man sich mit Dingen beschäftigt auf die man gerade Lust hat, ist man gleich mit viel mehr Engagement und Motivation dabei.

Zu Mittag hatte ich eine halbe Stunde Mittagspause, in der ich entweder in der Universitätsmensa, oder aber in einem nahegelegenen Restaurant gegessen habe. Ein paar Mal sind wir auch zusammen direkt zur Messstation in Groß-Enzersdorf gefahren, um eine Konfiguration an dem dortigen Server vorzunehmen oder Messsensoren zu warten. Dabei wurde mir gezeigt bzw. erklärt, wie solche Messgeräte funktionieren. Diese Ausflüge haben mir sehr gefallen, da ich dadurch einen gewissen Bezug zu den sonst wenig aussagekräftigen Daten herstellen und so den gesamten „Prozessablauf“ vom Regentropfen bis zur online Anzeige mitverfolgen konnte.

Manchmal, wenn ich mich länger mit der Lösung eines Problems beschäftigt habe und bei Arbeitsschluss das Gefühl hatte, dass ich kurz vor der Lösung stand, konnte ich nicht umhin  mich auch zu Hause mit der Thematik weiter zu befassen.


Persönliche Eindrücke

Besonders gut gefiel mir, wie oben bereits erwähnt, die Möglichkeit der Selbstständigkeit und das mir entgegengebrachte Vertrauen. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, einige meiner eigenen Ideen und mein Wissen einzubinden und mich dadurch aktiv am Projekt zu beteiligen. Ich hätte ohne Weiteres auch stundenlang sinnlose Flashgames spielen können oder draußen die Wolken zählen. Ich habe auch ab und zu private Mails geschrieben oder Sachen bezüglich meiner eigenen Projekte recherchiert. Ich persönlich finde aber, dass gerade ein Praktikum der ideale Zeitpunkt ist, um die eigene „Arbeitsmoral“ zu finden. In der Schule bekommt man meist eine Aufgabe, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auf eine vordefinierte Weise erledigt sein muss. Dadurch fehlt die Möglichkeit sich selbstständig die anfallende Arbeit einzuteilen. Da mich die Arbeit interessiert hat und ich dabei auch eine Menge für meine eigenen Projekte gelernt habe, fiel es mir leicht mich primär mit dem Praktikum zu beschäftigen. Dass das natürlich nicht immer funktioniert ist mir natürlich klar. Hätte ich den ganzen Tag Mappen alphabetisch sortieren müssen, wäre ich wohl weniger motiviert gewesen. Außer der Tatsache, dass mein Tag trotz der Sommerferien um sieben Uhr begann und ich demnach  meine Nachtaktivitäten unter der Woche meist etwas „aufstehfreundlicher“  gestalten musste, fällt mir eigentlich keine Situation ein, in der ich etwas hätte grundlegend verändern wollen. Nach Erfahrungsberichten von Freunden bezüglich Praktika waren meine Erwartungen eher gering. Glücklicherweise zu unrecht. Leider sind wir nicht mit allen Zielen die wir uns gesetzt haben fertig geworden. Die Seite wird aber im Laufe der Zeit noch weiterentwickelt und mit weiteren Funktionen ausgestatten werden. Ich könnte mir gut vorstellen, nächstes Jahr wieder ein Praktikum zu machen und am selben Projekt weiterzuarbeiten.

Ich würde sagen, dass ich in mehreren Bereichen von meinem Praktikum profitiert habe. Einerseits konnte ich mein Wissen bezüglich einiger Programmiersprachen und verschiedener Internettechnologien vertiefen, was teilweise bei meinen eigenen Projekten bereits von Vorteil war. Andererseits erhielt ich detaillierte Einblicke in den Arbeitsalltag. Außerdem bietet ein Praktikum eine gute Möglichkeit Kontakte aus dem jeweiligen Interessensgebiet zu knüpfen und so, nach der Schule oder dem Studium, eventuell schon eine Anlaufstelle für eine Bewerbung zu haben. Denn wenn man bereits ein Monat bei einer Organisation gearbeitet hat und persönlichen Kontakt hat, ist man gegenüber anderen Bewerbern, die sich zum Beispiel online bewerben, klar im Vorteil. Mein Betreuer hat mich sogar gefragt, ob ich nicht während der Schulzeit an dem Projekt weiterarbeiten möchte. Neben diesen Punkten darf die finanzielle Entlohnung natürlich nicht außer Acht gelassen werden.

Mein Berufsbild des Forschers hat sich während dieses Praktikums nicht wirklich geändert. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass meine Arbeit großteils im Informatikbereich lag und ich daher eigentlich nicht mit Forschern gearbeitet habe. Was ich aber dennoch interessant gefunden habe war die Verbindung zwischen der Informatik und der stark naturnahen Forschung der Universität für Bodenkultur.

generation innovation – Technische und Naturwissenschaftliche Praktika für Schüler

Viele Schüler suchen angestrengt nach einem freien Praktikumsplatz für die Sommerferien.
Ob aus Pflicht, finanziellen Gründen oder schlicht aus Interesse.

Da es sich bei mir um ein Pflichtpraktikum handelt, gerieht ich in den letzten Monaten vor den Ferien ganz schön unter Druck, da ich immer noch kein Praktikum organisiert hatte und diese Ferien die letzte Möglichkeit dazu waren. Zwar habe ich mich bei ein paar Firmen beworben, jedoch größten Teils keine Rückmeldungen bekommen bzw. Antworten wie: “Es tut uns sehr leid, aber wir können derzeit keine Praktikanten in unseren Betrieb aufnehmen.”
Schlussendlich bin ich doch noch fündig geworden, und zwar über generation innovation.


Über mein Praktikum

Ich arbeite nun an der Universität für Bodenkultur im Institut für Hydraulik und landeskulturelle Wasserwirtschaft. Für die Lysimeterstation Groß Enzersdorf sollen Echtzeitdaten für die grafische Darstellung auf einer Website konvertiert und aufbereitet werden. Dies soll unter Anwendung der Programmiersprachen HTML, CSS, PHP und C# umgesetzt werden. Dabei sollen unter anderem Fehlwerte ausgefiltert und Plausibilitätskontrollen umgesetzt werden. Weiters sollen auch Zeitraffervideos von den minütlich aufgenommenen Bildern einer WEB-Cam erstellt werden.

Die Messdaten der Lysimeterstation Groß Enzersdorf liefern einen wesentlichen Beitrag zur Abschätzung des Wasserhaushalts (pflanzenverfügbares Wasser, Grundwasserneubildung) im Marchfeld. Die Daten stammen von bodenphysikalischen Sensoren und einer Wetterstation der ZAMG. Diese Forschungsstation besteht seit 1983 und dient dem Institut für Hydraulik und landeskulturellen Wasserwirtschaft sowohl der Grundlagenforschung als auch der angewandten Forschung und wird in regelmäßigen Abständen ausgebaut.


Wer steckt dahinter?

Generation innovation ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) und Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk)


Das Ziel von generation innovation

Im Mittelpunkt von generation innovation steht der direkte Dialog zwischen der jungen Generation mit den ForscherInnen und InnovatorInnen der Gegenwart. Kindern und Jugendlichen quer durch die gesamte Bildungskette sollen stärkere Anreize für die Auseinandersetzung mit Naturwissenschaften und Technik geboten werden.

Was für Praktika gibt es?
Interessierte Unternehmen oder Forschungseinrichtungen können bei der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) einen Praktikumsplatz einreichen.
Die Praktika werden in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik angeboten und dauern vier Wochen.


Was springt für dich dabei heraus?
Neben wertvollen Erfahrungen im Bereich des Berufsleben lernst du praktische Vorgänge bei der Forschung und Entwicklung in naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen.
Außerdem wird jeder Praktikant mit einem Mindestbruttolohn von 700€ entlohnt (Das genaue Gehalt bezieht sich dann auf den jeweiligen Kollektivvertrag).


So kannst du dich bewerben:

Du kannst dich leider ausschließlich online bei der Praktikabörse anmelden. Geh einfach auf die Website und fülle das Formular gewissenhaft aus. Dort kannst du auswählen für welchen Betrieb du dich bewerben möchtest.


Das brauchst du dafür:

  • Ein Motivationsschreiben (inkl. Foto und kurzem Lebenslauf)
  • Dein Semesterzeugnis (oder wenn du keines hast ein aktuellstes Zeugnis)

Folgende Punkte solltest du bei deiner Bewerbung beachten

  1. Da du ziemlich sicher nicht der Einzige sein wirst, der sich für die Stelle interessiert, solltest du deine Bewerbung so früh wie möglich abschicken.
  2. Du kannst dich sicherheitshalber auch bei mehreren Einrichtungen parallel bewerben. Dadurch wird die Erfolgswahrscheinlichkeit logischerweise erhöht.

Falls du noch weitere Fragen hast, kann dir diese Seite gewiss weiterhelfen.


Schlusswort:

Die Bedeutung von Praktika wird oft unterschätzt: neben dem Sammeln erster Erfahrungen in möglichen Berufsfeldern ermöglichen sie das Knüpfen von Kontakten und erleichtern oftmals den späteren Einstieg ins Berufsleben.